Die Pader als Wasserstraße

Handel & Verkehr & Dienstleistungen

Ausschnitt: bemannter Kahn auf der Kleinen Lippe an der alten Schloßbrücke, 1719 (Ortsansicht Neuhaus, Federzeichnung auf Pergament von J. C. Schlaun, Residenzmuseum Schloss Neuhaus, Foto M. Ströhmer 2019)

Die Funktion der alten Paderarme als Wasserstraßen ist historisch nicht zweifelsfrei belegbar. Ein Blick auf einer der ältesten Flurkarten, den von Johannes Grothaus S. J. um 1680 angefertigten „Abriß der Wege von Paderborn nach dem Nienhuiße“, verdeutlicht zunächst die naturräumlichen Hindernisse einer Schiffbarmachung der Pader:[1] Ausgehend vom dreibogigen Wassertor in der Stadtmauer Paderborns – so bildlich dokumentiert in Schlauns Prospekt von 1719 –, dürfte der natürliche Verlauf des Altarms der Pader bis zu seiner Teilung in „Mühlenpader“ und „Kleiner Pader“ mit Lastkähnen zumindest eingeschränkt befahrbar gewesen sein.

„Jesuitenplan“ zum Paderverlauf im 17. Jahrhundert von J. Grothaus S. J., um 1680 („Abriß der Wege von Paderborn nach dem Nienhuiße“, EAB Pb, AV, PA 123, fol. 15)
„Jesuitenplan“ zum Paderverlauf im 17. Jahrhundert von J. Grothaus S. J., um 1680 („Abriß der Wege von Paderborn nach dem Nienhuiße“, EAB Pb, AV, PA 123, fol. 15)

Hierfür spricht deren kurvenarmer Verlauf sowie Grothausens Einzeichnung eines „linpat“ (Leinenpfad), der die Existenz oder Planung eines Treidelpfades für das späte 17. Jahrhundert belegt. Am Abzweig der künstlich angelegten „Mühlenpader“ aus dem Altarm wechselte der Treidelpfad nach Grothaus am alten „Flutwerk“ auf das westliche Paderufer. Von hier aus lief der begradigte Mühlenkanal bis nach Neuhaus hinein.[2] Dieser Wechsel von der Alten („Kleine Pader“) zur Neuen Pader („Mühlenpader“) war im mittleren Flussabschnitt der Topographie geschuldet. Denn von der „Blauen Brücke“ an bis zu ihrer Einmündung in die Kleine Lippe mäanderte die Kleine Pader sehr stark. Ihre zahlreichen engen Kurven und Schleifen, aber auch ihre abnehmende Tiefe („Trockene Pader“) stellten bis in die 1830er Jahre hinein natürliche Hindernisse für alle größeren Wasserfahrzeuge dar.[3] Eine kontinuierliche Nutzung der Kleinen Pader als Wasserstraße für Schwerlasten ist daher nahezu auszuschließen. Dieser Befund gilt prinzipiell ebenfalls für den kurvenreichen Oberlauf der Kleinen Lippe.[4] Auch dieses Flüsschen dürfte für größere Lastkähne kaum befahrbar gewesen sein.

[1] Kommentierter Nachdruck bei Koch, Frühe Verkehrsstraßen, S. 248f.

[2] Nördlich der Alten Wasserkunst mündete der „linpat“ unweit des Paderborner Tors auf die spätere „Schloßstraße“.

[3] Vgl. Paderborner Umlandkarte (Urmeßtischblatt 1837/38).

[4] Vgl. Nachdruck bei Bremer, Eckhard: Die Nutzung des Wasserweges zur Versorgung der römischen Militärlager an der Lippe (Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen, Bd. XII), Münster 2001, Karte 2 (Ostteil) im Anhang. Freundlicher Hinweis von Herrn Siegfried Schröder, Paderborn.

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Dies ist ein Auszug aus einem Aufsatz des Historikers Prof. Dr. Michael Ströhmer. Der Originaltitel des Aufsatzes lautet: "Wirtschaftsregion Pader - Eine geschichtswissenschaftliche Skizze (1350-1950)". Sollten Sie weiteres Interesse an der Wirtschaftsgeschichte der Pader haben, empfehlen wir Ihnen den vollständigen Aufsatz (PDF-Datei) herunterzuladen.

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